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Kurznachrichten Mai 2005



Netter Deckkater gesucht!

Daß Steffi, Abteilungsleiterin für unsere Samtpfoten, sprachlos ist, ist eher die Ausnahme, denn normalerweise fällt ihr in jeder Situation ganz schnell die passende Antwort ein. Diesmal jedoch musste sie tatsächlich schlucken, bevor sie etwas sagen konnte. Eine Dame erschien im Katzenhaus und trug eine Box in der Hand, in der eine schöne rote Langhaarkatze saß. Sie sei eine große Tierfreundin, erklärte die Dame, und ihre Katze sei rollig und brauche nun dringend einen unkastrierten Kater, damit sie gedeckt werden und Junge bekommen könne, und da habe sie sich gedacht, im Tierheim werde sich ja wohl ein Kater finden, der da gerne weiterhelfen würde…

 

Davon, dass unser Katzenhaus häufig gnadenlos überfüllt ist von Katzen, die nicht mehr erwünscht sind, dass im Frühjahr und Herbst beinahe täglich kleine Kätzchen abgegeben werden, die keiner haben will und dass es viel mehr Katzen als Plätze für Katzen gibt, hatte sie noch nie gehört, ebenso wenig war ihr bekannt, dass wir erwachsene Katzen nur kastriert abgeben , um noch größerem Elend vorzubeugen. So zog die Tierfreundin ziemlich enttäuscht von dannen, ohne dass man ihr hatte weiterhelfen wollen und wir können nur hoffen, dass Steffis Ansprache und Argumentation die Wirkung zeigt, die sich echte Tierfreunde wünschen.


Olli H.:

Welches Schweinderl hätten`S denn gerne? So fragte dazumal Quizmaster Robert Lembke seine Kandidaten und die durften sich dann eins nach dem jeweiligen Geschmack aussuchen. Diese Wahl hatten wir nicht, als die Polizei Kreuztal anrief und uns einen nicht ganz alltäglichen Findling in Form eines jungen Hängebauchschweines meldete. Per Feuerwehrfahrzeug wurde der junge Eber ins Tierheim gebracht und verzehrte dort unter beifälligem Grunzen augenblicklich eine erste Willkommensmahlzeit.

Der graue Bursche erwies sich als sehr freundlich, jedoch hat sich sein Besitzer leider bis heute nicht gemeldet, so dass er uns wohl erhalten bleiben dürfte. Unsere beiden Schweinemädchen „Suse“ und „Lucy“ werden sicher nichts gegen den männlichen Zuwachs haben, zuvor jedoch muß der junge Mann zwecks Kastration nach Gießen in die Klinik gebracht werden, denn noch mehr Schweinderl wollen wir eigentlich nicht. Und der seltsame Name? Einer unserer ehrenamtlicher Helfer fand ihn ungemein passend und fühlte sich an einen Bekannten erinnert…. 


Ich glaube, bei mir piept`s!!!

An eine Sinnestäuschung glaubte im ersten Moment Steffi, die Abteilungsleiterin unserer Stubentiger, denn als sie im Katzenhaus frisch gewaschene Wäsche in den Trockner packen wollte, klang ihr aus dem Innern desselben ein lautes Piepsen entgegen. Leicht verwirrt schaute sie in den Innenraum, doch der war leer! Da, wieder Piepstöne! Nach längerem Suchen fand sie des Rätsels Lösung: Im Lüftungsrohr des Wäschetrockners hatte ein Vogelpärchen ein wunderschönes Nest gebaut und es mit vielen mühsam gesammelten Katzenhaaren liebevollst weich ausgepolstert. Mehrere Eier lagen schon darin und so blieb Steffi nichts andres übrig, als das Ende des Lüftungsrohres abzuschrauben und die innere Öffnung zu verkleben, damit die kleinen Piepmätze später nicht aus Versehen in den Waschraum purzeln. Das Rohr ohne Endstück wird nun solange ans offene Fenster gelegt, damit der Trockner weiterhin arbeiten kann. Und den Vogeleltern wünschen wir, daß sie ihr Gelege trotz des lebhaften Tierheimbetriebes problemlos großziehen können.

 

 

Fast unsere Nachbarn…

Da wir öfter mit unserer Kreisveterinärin zusammen arbeiten, dachte sich erst niemand viel dabei, als der Anruf kam: “Hallo, ich brauche heute mal wieder eure Hilfe!“ Sie erzählte von einem Tierhalter in Katzenbach, bei dem die Behörde mehrere Tierkadaver (Waschbären, Skunks sowie einen halbverwesten Bernhardiner) aus der Wohnung geholt hatte. „Wirklich entsetzlich, aber Katzenbach ist doch gar nicht unser Gebiet!“ „Das stimmt, aber der Mann ist jetzt nach Siegen/Eiserfeld gezogen und in der Wohnung scheinen grauenhafte Zustände zu herrschen! Die Kreisveterinärin besorgte sich eine richterliche Verfügung und am frühen Nachmittag standen Polizei, Kreisveterinär sowie einige Leute vom Tierheimpersonal zusammen mit ehrenamtlichen Helfern vor der Haustür. Eigentlich liest man ja von solchen Aktionen immer nur in der Zeitung, daher ist es kaum zu glauben, was sich drinnen abspielte, wenn man vor dem sauberen, kleinen Fachwerkhaus mitten in Eiserfeld steht. Den Tierschützern boten sich grauenhafte Bilder…

 

Doch lassen wir unseren Mitarbeiter Uwe selbst erzählen:

 

 


„Das erste, was mir außer dem bestialischen Gestank auffiel, waren die unglaublich vielen Spinnennetze, die überall von der Decke bis auf den Boden hingen .Komisch! dachte ich, ging aber dann weiter in einen Raum, dessen Boden mich an eine Dünenlandschaft erinnerte, denn Vogelkot , Vogelstreu und Futterschalen lagen überall in großen Haufen herum. Wir konnten aus dem Dreck und Gestank zwei Kakadus und zwei Nymphensittiche herausholen. Außerdem lebten da sechs Kaninchen und zwei Frettchen, alle Tiere sehr abgemagert und in schlechtem Allgemeinzustand. Wasser habe ich nirgends gesehen. Auf die Frage der Polizei, ob es noch weitere Tiere gebe, verneinte der Besitzer , doch glücklicherweise bestanden die Beamten darauf, sich in allen anderen Räumen umzusehen. Zusammen mit einem Polizisten musste ich alle Kräfte aufbieten, um die Tür zum Nebenraum aufzudrücken, warum, klärte sich sogleich.


Auf dem gesamten Fußboden befand sich flächendeckend eine ca. fünf Zentimeter hohe Schicht aus Katzenkot, das Zimmer war fast dunkel, der Gestank auch hier ekelerregend. Eine verweste Katzenleiche lag auf der Erde, doch in einer Ecke sah ich eine Bewegung, dort lebten tatsächlich noch Tiere! Mit vereinten Kräften gelang es, zwei sehr scheue, ausgemergelte Katzen einzufangen, zwei weitere lebten im sogenannten Wohnzimmer und konnten ebenfalls in Boxen ins Tierheim gebracht werden. Weitere Tiere habe er aber nicht, erklärte der Mann wiederum, doch wir gingen durch eine Verbindungstür ins nächste Zimmer und fanden dort in Terrarien etwa zwanzig tote Schlangen. Augenscheinlich hatten sie in ihrer Not versucht, sich gegenseitig aufzufressen…

 

Nebenan waren plötzlich wieder unglaublich viele Spinnweben und dann fand ich mehrere etwa zehn mal zehn Zentimeter große Acrylwürfel, in denen tote Vogelspinnen lagen. Andere Würfel waren zerbrochen und ohne Inhalt, aber nun war mir klar, woher die vielen seltsamen Spinnennetze stammten. Zum Schluß nahm ich auf Geheiß der Kreisveterinärin noch den Hund mit, einen riesigen, total lieben Pyrenäenberghund, der 45 kg wiegt, auf Grund seiner Größe aber eigentlich mindestens 60 kg wiegen müsste. Für ihn kamen wir glücklicherweise noch rechtzeitig… Ich musste mich beim Anblick dieses Tierelendes extrem beherrschen, um meinen Gefühlen dem Tierhalter gegenüber nicht Luft zu machen, der so viele unschuldige Geschöpfe unter entsetzlichen Bedingungen hatte leiden und schließlich sterben lassen. Aus Dummheit? Aus Bequemlichkeit? Meine Hoffnung ist nur, dass unsere Justiz ein Einsehen hat und solch ein Mensch nie wieder ein Tier halten darf. Der Anblick der so sinnlos verendeten Geschöpfe und das Elend der noch lebenden war grauenhaft und ich sah, dass auch unsere Kreisveterinärin Tränen in den Augen hatte!

 

Soweit der Bericht von Uwe. Nun heißt es für uns, all diese armen Wesen aufzupäppeln und zu pflegen. Unser Tierheim kommt ihnen mit Sicherheit wie der Himmel auf Erden vor, und sie genießen sichtbar regelmäßiges Futter und frische Luft und Auslauf.


 

 

Die Stubentiger- zwei Katzen und zwei Kater – sind bis auf ein Katzenmädchen schon recht zutraulich, die Kaninchen und Frettchen erholen sich sichtlich und auch die Vögel lernen, wieder Freude am Leben zu haben. Ja und „Comulus“, wie wir den weißbraunen Riesenhund tauften, wird von allen Gassigängern mit Käsehäppchen verwöhnt. Für die hat er nämlich eine ausgesprochene Vorliebe.

 

 

Wieviel Liebe und Fürsorge wir aber auch in die geretteten Tiere investieren, die Qual und das Elend der anderen, die unter erbärmlichsten Lebensbedingungen dahinvegetierten und am Ende jämmerlich verdursteten und verhungerten, kann niemand mehr ungeschehen machen. Wir hoffen, dass der Richter, der das Urteil über den verantwortungslosen Tierhalter spricht, auch wirklich dafür sorgt, das so ein Mensch nie wieder ein Tier halten darf.


                                  



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