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Kurznachirchten Dezember 2005




Bingo für Lisa: Ein knappes Jahr schon lebte sie bei uns im Tierheim, war zuvor von einem zum anderen „weitergereicht“ worden. Niemand hatte sich wirklich Mühe gegeben sie zu erziehen und doch hatte sich unbegreiflicherweise ihre Freundlichkeit gegenüber uns Zweibeinern bewahrt. Die Rede ist von „Lisa“, einer verschmusten belgischen Schäferhündin. Doch wenn man groß, schwarz und so 6 - 7 Jahre alt ist, hat man es schwer als Hund vermittelt zu werden. Da half selbst ein Auftritt bei „Tiere suchen ein Zuhause“ nichts. Es gab nicht einen einzigen Anruf für sie. So musste sie halt weiterhin hoffen und weiter warten.

 

Da sie auf uns einfach unglücklich wirkte – bei 50 – 60 Hunden bleibt leider so wenig Zeit, sich wirklich intensiv um jeden einzelnen zu kümmern – versuchten wir erneut Lisa beim WDR vorzustellen, diesmal jedoch als Notfall. Danach kamen insgesamt 13 Anrufe aus allen Teilen Deutschlands und einer war dabei, wo wirklich alles passte. Die Familie kam aus Niederkassel nach Siegen, um unsere Hundedame kennen zu lernen und wir können berichten: Bingo für Lisa!!! Zwei- und Vierbeiner verstanden sich auf Anhieb und nach einem leckerchenreichen Abschied vom Tierheim-Personal sahen alle strahlend zu, wie sie sichtbar stolz – Hunde begreifen ja vielmehr, als wir glauben – mit ihrer neuen Familie zum letzten Mal durchs Tierheim-Tor marschierten.

 

Danke, liebes WDR-Team, für Eure Hilfe im Namen von Lisa.

 

Lilly: Im März 2002 wandte sich das Tierheim Essen an den WDR Köln mit der Bitte, bei der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ einen Notfall vorzustellen. Im Essener Tierheim lebten damals 50 Staffordshire-Terrier und einer davon war die schwarz-braune Hündin Lilly. Das damals 6-jährige Staff-Mädchen litt unsäglich unter der Haltung im Tierheim, denn große Freiläufe, wie wir in Siegen haben, die Kollegen in Essen leider nicht – und sie begann sich selbst überall anzunagen – eine leider nicht seltene aber schwere Verhaltensstörung. Beim WDR war aber auf längere Sicht kein Termin frei, so dass das Fernsehteam sich an uns wandte und um Hilfe bat. Das Tierheim Siegen, so meinten sie, mit seinen weiträumigen Freiläufen, könnte für dieses sensiblen Hündin die Rettung sein. So fuhren wir nach Essen und übernahmen das freundliche Staffordshire-Mädchen. Es war einfach schön, Lilly an ihrem ersten Tag bei uns im Freilauf zu beobachten. Es gab eine grüne Wiese mit Stöckchen, die man zerbeißen konnte, es gab Gassigänger, die sich mit dem Hund beschäftigten – einfach unglaublich. Lilly blühte förmlich auf, bekam ein wunderschönes, glänzendes Fell und hat vom ersten Tag an bei uns nie wieder an sich gebissen. Gott sei Dank! Aber wirklich verträglich mit anderen Hunden war sie leider nicht, so dass uns nach einigen misslungenen Zusammenführungen mit Artgenossen nichts anderes übrig blieb, als sie allein zu halten. Zu einem unserer Gassigänger, der seit vielen Monaten in seiner Freuzeit treu zu uns ins Tierheim kommt, um Hunde auszuführen, baute Lilly eine ganz besonders enge Beziehung auf. Wenn Herr Bischoff da war, hatte die Hündin nur Augen für ihn und ganz heimlich wob sie ihre Fäden immer fester und enger.


 

 

Und welcher Tierfreund kann schon wirklich widerstehen, wenn ein Hund sein ganzes Herz zu Füßen legt? So suchte unser Gassigänger eine andere Wohnung, ganz in der Nähe seiner Arbeitsstelle, so dass er sich in den Pausen gut um Lilly kümmern kann. Am 07.12. durfte die Hündin nach fast 3 Jahren Tierheimaufenthalt ins neue Zuhause einziehen. Wir wünschen unserer Lilly und ihrem neuen Herrchen noch viele schöne gemeinsame Jahre.

 

 

 

 

Eine Couch für unsere Felle: Mit einer etwas ungewöhnlichen Bitte wandte sich der WDR Köln an das Tierheim Siegen. Auf einer Möbel-Messe und auch in einschlägigen Geschäften wurden von Designern und Geschäftsleuten Tiermöbel vorgestellt, die man gerne in „Intensiv-Nutzung“ testen wollte, und wo gäbe es eine solche Chance eher, als in einem Tierheim? So kam das Fernseh-Team nach Siegen, wollte gerne verschiedene Teile – kleine Hundesofas, Stofftaschen, Kissen, Kratzbäume, sowie „Kuschelhöhlen“ in den Freiläufen und Wohnstuben unterbringen und beobachten, was die Vierbeiner dazu für eine Meinung hatten.

 

Daß die Sicht der Pelz- und Fellträger eine völlig andere ist, als die von uns Menschen, wurde innerhalb weniger Minuten klargestellt. In die Wohnstube von Ria und Solino beispielsweise platzierten das Fernsehteam ein großes Sofa aus Schaumgummi, das so wie ein weiches Fellkissen elegant mit leuchtend rotem Stoff überzogen war. Schön zum reinkuscheln, oder? Nach 5 Minuten wurden wir Zeugen, wie Solino das tolle Teil energisch durch die Klappe in den Freilauf zerrte und dann erlebten wir alle einen Solino in voller Aktion, der innerhalb kürzester Zeit das wunderschöne Kuschelteil in tausend Fetzen zerlegte. Wieviel Spaß er dabei hatte, konnte man ihm deutlich ansehen - er strahlte regelrecht. Und die wie Schneegestöber herumfliegenden Schaumstoffflocken animierten ihn nur zu noch größerer Aktivität. Der Kameramann war hellauf begeistert über die „Live-Zerstörung“. Er konnte dann auch gleich darauf auch noch das Ende des großen Kissens filmen! Andere etwas ähnliche „Designer-Möbel“ in anderen Wohnstuben überlebten dann doch 2 Tage oder etwas länger und die traurigen Reste wurden nach 1 Woche in ihrem kläglichen Zustand erneut gefilmt.

 

Weitaus besser erging es den Teilen im Katzenhaus, denn unsere Samtpfoten gingen wesentlich behutsamer mit dem Mobiliar um. Der absolute Knaller bei unseren Miezen war die große graue Filzschlange zum reinkriechen, die sofort von unseren Stubentigern begeistert akzeptiert wurde. Unser dicker schwarz-weißer Otto verschwand augenblicklich mit wackelndem Hinterteil im Inneren des Filzteils, um all dessen Geheimnisse zu ergründen und nur wenn er gerade mal nach draußen geht oder schläft, dürfen die Stubengenossen sich seinem neuen Lieblingsspielzeug nähern.

 

Auch ein Weidenkörbchen mit hohem wulstigen Rand, eigentlich für Hunde gedacht, war viel begehrter und hatte fast ständig Katzenbesuch, wohingegen die beiden hübschen Stoffhöhlen, die uns Menschen so gut gefielen, total mit Nichtachtung gestraft wurden, gerade, dass der dicke schwarze Kater Minke mal seinen Kopf hineinsteckte, das war’s aber dann auch. Ein Filzkratzbaum wurde lediglich von unserem hübschen Schildpattmädchen Momo benutzt, alle anderen Katzen schauten ihn nicht mal an., Da bleibt nur die Schlussfolgerung: Ein Katzenhirn ist halt unergründlich!“

 

Und Tierfreunde, die ihrem Liebling zu Hause mit solch einem Teil beglücken möchten, sollten am besten sonntags um 18.15 Uhr den WDR Köln einschalten, wo Anfang Januar bei „Tiere suchen ein Zuhause“ dieser kleine Film ausgestrahlt wird.

 

An einem verregneten Donnerstag -Vormittag schellten ein Mann und eine Frau am Tierheimtor, von denen jeder einen braunen Karton auf dem Arm trug. Total empört berichteten die Leute, dass sie die Kartons soeben neben dem Müllcontainer gefunden hätten. Wir klappten die Deckel auf und fanden insgesamt 5 Kaninchen, davon eins eine Mama mit Baby. Eben mal zusammen mit dem Müll „entsorgt“. Es interessiert ja nicht, dass die Tiere in der Kälte und Nässe eingehen könnten. Glücklicherweise sind alle gesund und munter, weil die Retter rechtzeitig da waren. Aber man fragt sich: Welchen Wert hat denn schon das Leben eines Kaninchens?

 

Recht lange schon saß der nette graugetigerte Kater Kuni bei uns im Tierheim, bis sich kurz vor Weihnachten ein älteres Ehepaar für ihn entschied. Kuni wurde also in eine Katzenbox verpackt und dann sollte es ins neue Zuhause gehen. Unser Grautiger war damit keinesfalls einverstanden. Ob er zurück in seine vertraute Wohnstube wollte, oder ob er plötzlich Sehnsucht nach der ganz großen Freiheit hatte, können wir nicht sagen, jedenfalls warf er sich draußen auf den Hof mit seinem ganzen Gewicht gegen die Boxentür, die gab nach und mit einem Riesensatz war Kuni aus der Box hinaus und rannte auf den nächsten großen Hundefreilauf zu.

 

Dort wohnt „Jigga“, der größte unter unseren Hunden, die momentan im Tierheim sind, so dass Kuni sich plötzlich Auge in Auge mit dem vierbeinigen Riesen befand, eine Situation, die ihm gar nicht behagte. Er tat das, was Katzen seit Jahrhunderten tun, wenn sie in Panik sind, er raste den nächsten Baum hinauf und fühlte sich in luftiger Höhe erst mal sicher. „Jigga“ wurde sofort in seine Wohnstube gesperrt und dann versuchten wir in den süßesten Tönen, Katerchen vom Baum zu locken – leider ohne Erfolg. Eine mutige Praktikantin kletterte in die Zweige, aber deren Anblick brachte ihn in noch größere Panik, so dass er sich noch höher hinauf zurückzog, unerreichbar für Menschen. Da wir Kuni keinesfalls über Nacht dort oben sitzen lassen wollten, schließlich ist der Autobahnzubringer nicht fern, bleib nur, die Feuerwehr um Hilfe zu bitten. Die rückte an, eine Mitarbeiterin stieg mitsamt Feuerwehrmann in einen Drahtkorb und wurde dann nach oben gehievt, wo sie den völlig verschreckten Kuni schließlich greifen und in eine Box setzen konnte. Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Feuerwehrleuten, die durch ihren Einsatz möglich machten, dass unser Kater gerettet werden konnte, und brachten den Ausreißer noch am selben Abend zu den neuen Besitzern, die ihn überglücklich in die Arme schlossen.


Abschied von Rocky: Mit blutendem Herzen mussten wir uns Mitte Dezember von unserem Rocky verabschieden, der lange als Notfall auf unserer Homepage zu sehen war und für den wir so dringend eine Pflegestelle suchten, da der Belgische Schäferhund Epileptiker war. Bis dato hatte er kein schönes Leben gehabt.

 

Im Zwinger eines Bauerns mitten im Winter geboren, von seinen Geschwistern erfroren drei, da kann man sich gut vorstellen, wie es um die Versorgung der Welpen bestellt war. Er wurde in ein völlig desolates Zuhause vermittelt, wo er oft mehrere Tage ohne Wasser und Futter allein gelassen wurde und anschließend noch gestraft wurde, wenn er sich in seiner Not in der Wohnung löste, danach dann bei uns abgegeben. Wir haben ihn insgesamt 2 Mal vermittelt.  

 

Beim ersten Mal stellte sich später heraus, dass der Besitzer nicht in der Lage war, die Auflagen für einen 20/40 Hund zu erfüllen, daher kam unser Schwarzer zu uns zurück, im Zweiten Fall gab es Katzen, mit denen er sich nicht auf Anhieb verstand. Man gab ihm leider nicht die Chance einer Eingewöhnung, nach wenigen Tagen hieß es: Zurück ins Tierheim Unsere Trainerin arbeitete mit ihm, machte kleine, sich steigernde Konzentrationsübungen und er war ganz eifrig bei der Sache und blühte regelrecht auf. Er genoß es sichtlich, dass man sich mit ihm beschäftigte und lernte sogar Rüden zu tolerieren. Es war, als verstünde er, dass wir seine Vermittlungschancen vergrößern wollten. Und so hofften wir für und mit Rocky, dass doch noch ein Wunder geschehen würde, vielleicht ein Weihnachtswunder?

Denn 3 Jahre insgesamt lebte er nun schon bei uns, aber wenn man schwarz ist, schon etwas älter und noch dazu Epileptiker, was hat man als Hund das noch für Chancen?

 

Anfang Dezember stellten wir fest, dass irgendetwas nicht stimmt mit unserem verschmusten Sorgenkind. Ganz häufig lag Rocky auf seiner Decke und wollte nichts essen, obwohl wir ihm die leckersten Sachen vorsetzten, meist drehte er angewidert das Gesicht zur Seite. Wir waren ratlos: kein Fieber, kein Erbrechen, kein Durchfall, was könnte er haben? Ein Rundum-Check beim Tierarzt brachte uns auch nicht weiter. Blutbild in Ordnung, Herz o. K., Atmung o. K. und auch der anfängliche Verdacht auf einen Tumor bestätigte sich nicht. Ein nochmaliges, etwas später erstelltes Blutbild brachte ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Aber, sehr seltsam, es sah beinahe aus, als sei sein Kopf kleiner geworden, eigentlich unmöglich. Abends, wenn alles ganz ruhig war und er auf seiner Decke lag, ging ich regelmäßig zu ihm in seine Box, sprach leise mit ihm und streichelte ihn, das genoss er sichtlich. Häufig blickte er mich unverwandt an und wedelte leicht mit dem Schwanz und manchmal drückte er mir seine dicke Pfote in die Hand. Sein Zustand besserte sich jedoch nicht, er wurde mit jedem Tag hinfälliger. Und dann kam die erschütternde Diagnose: Muskelschwund. Die Kaumuskulatur an seinem Kopf war fast nicht mehr vorhanden, er konnte kaum noch sein Maul öffnen, um zu Essen und zu Trinken. Da blieb nur, ihm weitere Qual zu ersparen. Vertrauensvoll stieg er mit den ihm so wohlbekannten Pflegern ins Auto zu seiner letzten Fahrt. Tieftraurig nahm ich ihn in den Arm und flüsterte ihm ins Ohr: Lieber, lieber Rocky, gute Reise!

 

Die Tränen strömten mir übers Gesicht, als ich ins Hundehause zurückging, wo schon Leute auf mich warteten, die mich befremdet ansahen. Und wenn ich abends die letzte Runde durchs Hundehaus gehe und jedem noch sein Gute-Nacht-Leckerchen bekommt, meine ich immer, aus seiner ehemaligen Box müsste mir jetzt ein freundliches, schwarzes Hundesgesicht entgegensehen und ein buschiger Schwanz müsste leicht auf den Boden klopfen.

 

Geliebter Rocky, alles Gute für Dich in einer besseren Welt!

 

Der Abschied von Rocky steht hier stellvertretend für diejenigen unserer Tiere, seien es Hunde, Katzen oder Kleintiere, die im Jahr 2005 während ihres Aufenthaltes bei uns unheilbar krank wurden und deshalb eingeschläfert werden mussten. Es schmerzt jedes Mal diese Entscheidung treffen zu müssen, aber wenigstens das können wir für sie tun: Sie nicht leiden lassen!!!

                                  



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