Kurznachrichten August 2004
Verstehen Sie Spass? An einem der glühendheißen Tage Anfang des Monats erreicht uns ein Anruf, der leider nicht lustig ist: Wir möchten doch jemanden schicken, der auf einen Hund aufpasst und mit ihm Gassi geht, die Familie wolle geschlossen schwimmen gehen. Auf unseren Hinweis, wir betreuen mit einer Handvoll Mitarbeiter ein Tierheim und die dort untergebrachten Tiere, nicht aber sämtliche Tiere des Siegerlandes, kommt die Antwort, der Hund bliebe aber nicht alleine, da könnten wir doch gefälligst etwas tun. Die Familie - uns gut bekannt, da sie schon des Öfteren Tiere an uns abgegeben hat - ist sowieso sehr wankelmütig, was die Haltung betrifft. Da ist man sich uneins, will sich augenblicklich trennen und die Hunde sollen SOFORT ins Tierheim - haben wir dann aber mit Mühe und Not Hilfe bzw. einen Pflegeplatz organisiert, so hat man sich längst wieder vertragen und will die Tiere behalten. So geschehen bereits drei Mal… Scheinbar war man sich momentan gerade mal einig, und da stören die Tiere beim Familienausflug. Arme Geschöpfe, die hilflos den Launen der Menschen ausgeliefert sind. Wie mag es ihnen sonst ergehen, wenn gerade keiner Zeit und Interesse für sie hat?
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"Großer Schäferhund-Mix ausgesetzt - stundenlang in Regen und Hagel am Tierheim-Tor angekettet" so lautete eine der Kurznachrichten im Juli 2004. Kaum glaublich, aber wahr, Anfang August erlebten wir tatsächlich noch eine Steigerung: Unser Notdienst fand eine mittelgroße Schnauzerhündin auf grausame Art ans Tierheimtor gefesselt. Durch die tief ins Fleisch greifenden Dornen eines viel zu engen Stachelhalsbandes war ein Strick geführt, der über den Rücken des Tieres verlief und dann in festen Knoten mehrfach um die Hinterbeine geschlungen war, so dass die schmerzgepeinigte Hündin nur noch auf zwei Beinen stand und jede Bewegung weitere Qualen auslöste. |
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Als es endlich gelungen war, dem wie rasend um sich schnappenden Tier die Fesseln zu durchschneiden, verwandelte es sich augenblicklich in eine freundliche Hündin, die ihren Befreiern dankbar die Hand leckte. Die bildhübsche, etwa 7 Monate alte "Petra" hat inzwischen glücklicherweise schon ein neues Zuhause bei freundlichen, liebevollen Menschen gefunden, die ihr helfen, ihre schlimmen Erlebnisse zu vergessen und wieder Vertrauen und Zuneigung aufzubauen. Der Mensch, die Krone der Schöpfung? |
Selbstversorger? Es ist ja häufiger der Fall, dass jemand ohne seinen Hund in Urlaub fährt und seinen vierbeinigen Freund Bekannten oder einer Hundepension zur Betreuung übergibt, aber diese Art der Versorgung ist neu und setzt selbst Kreisveterinär und Ordnungsamt in Erstaunen. Im Tierheim wurde gemeldet, eine Familie aus Meiswinkel sei in Urlaub gefahren und habe Ponies, Katzen und Hund unversorgt zurück gelassen. Nachdem dreimal ehrenamtliche Mitarbeiter von uns vor Ort waren und Auskünfte von Nachbarn eingeholt hatten, klärte sich die Lage. Die Familie war nach Kroatien gereist und hatte am heimatlichen Bauernhof mehrere Tiere zurück gelassen: drei Ponies waren auf einer Weide und wurden abends von Bekannten versorgt, ebenso zwei Katzen, die Wasser und Trockenfutter erhielten - und auch in gutem Futterzustand waren. So weit, so gut.
Nicht gut aber war die Sache mit der schwarz-weißen Mixhündin Tina. Man hatte die Hintertür des Hauses offen gelassen, so dass Tina sich nach Belieben im Haus aufhalten oder draußen die große Freiheit genießen konnte - was sie auch tat. Im Flur stand ein Sack Futter, aus dem sie sich nach Belieben bediente. Zur Freude der Nachbarschaft stromerte da nun also ein "herrenloser" Hund durch die Gegend. Da der Gesetzgeber mit dieser Art der Urlaubsunterbringung aber glücklicherweise gar nicht einverstanden ist, wurde der Hund durch den Kreisveterinär für die noch verbleibenden Urlaubstage beim Nachbarn in Pflege gegeben. Die Besitzer werden sicher nicht erbaut sein, wenn ihnen bei ihrer Heimkehr ein Schreiben der zuständigen Behörde ins Haus flattert, zumal die Hündin auch steuerlich noch nicht einmal gemeldet war, wie das Ordnungsamt sogleich feststellte.
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Sieben auf einen Streich: Anruf eines frühen Hunde-Gassigängers beim Bereitschaftsdienst: "Vor dem Tierheimtor steht ein großer Karton, sind wohl Kaninchen drin, die sind gerade dabei, die Pappe durch zu knabbern!" Wir finden in einem braunen Pappkarton mit nicht weniger als sieben Löwenkopfkaninchen, die wohl jemand "übrig" hatte. Die Tiere sind in keinem guten Zustand - einige sind von Bisswunden und Schorfstellen bedeckt, und bei einem weiteren ist ein Auge fast erblindet |
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Alle sieben versammeln sich augenblicklich um den gefüllten Wassernapf, die angebotenen Möhren werden blitzschnell weggeknabbert, und das neue Gehege wird sofort gründlich erforscht und scheint sich allgemeiner Zustimmung zu erfreuen. Wir aber seufzen ein bisschen, denn nun haben wir 63 Kaninchen (und erst einmal wieder Tierarztkosten, um den vernachlässigten Tieren zu helfen), aber nur zwei Stunden lang - dann wird ein weiterer Findling abgegeben: Kaninchen Nr. 64. Ferienzeit… |
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Lügen haben kleine Katzen: 2 Männer brachten uns 6 kleine, pechschwarze Katzen in einer Transportbox, die sie angeblich in einem riesengroßen Karton auf der Autobahnraststätte Siegerland gefunden hatten. Der Karton sei so groß gewesen, er habe nicht ins Auto gepasst. Die Transportbox sei vom hauseigenen Dackel, der damit zu Ausstellungen transportiert würde… Die Story klang gut, wenngleich wenig überzeugend. Auf den Hinweis, dass der große Karton aber offensichtlich bis nach Hause ins Auto passte - denn dort wurden die Kleinen ja umgeladen - lief einer der Herren rot an und wusste keine rechte Antwort. Wir wollen ja Niemanden etwas unterstellen, aber hier wurde so offensichtlich gelogen, dass wir wetten möchten, es war der eigene Katzennachwuchs der so nun entsorgt werden musste. Die 6 pechschwarzen wurden mittlerweile alle gut vermittelt - bis auf einen. Der etwas schüchterne "Bobo" hofft nun auch, bald ein neues, dauerhaftes Zuhause zu finden.
Wenn einer eine Reise tut… Eine ältere Dame aus Sachsen besuchte ihre Verwandten im Siegerland und war der Ansicht, ihrer älteren Katze täte eine Luftveränderung ebenfalls gut - die Katze durfte mit. Man kann geteilter Meinung sein darüber, ob die Katze mit in Urlaub soll oder nicht, und immer wieder hört man von urlaubserprobten Katzen, die gerne mit auf Tour gehen. Aber diese sächsische Katze war offensichtlich hoffnungslos überfordert mit dem Ortswechsel und nutzte die erstbeste Gelegenheit zur Flucht. Nun gilt sie schon seit Wochen als vermisst, irrt irgendwo hilflos in der Gegend herum und wird wahrscheinlich nie wieder auftauchen. Registriert war sie ebenfalls nicht und hier stellt man sich doch wirklich die Frage: "Musste das sein?" Wir finden, dieses Katzenleid hätte man leicht verhindern können.
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Arpad, der nächtliche Ruhestörer: In einer Firma wurde ständig nachts der Alarm ausgelöst, und keiner konnte sich erklären, warum. Einbrecher waren definitiv nicht am Werk, und ein Fehler in der Alarmanlage konnte ausgeschlossen werden. Dann eines Tages wurde der "Eindringling" doch noch geschnappt: Es handelte sich um einen jungen Kater, der sich diese Firma offensichtlich als neues Domizil ausgesucht hatte und bei seinen nächtlichen Streifzügen zwar die Hallen frei von Mäusen hielt, aber eben auch ständig Alarm meldete. Leider konnte sich dort keiner für einen Firmenkater begeistern und somit kam der freundliche Kerl ins Tierheim. Wir tauften ihn Arpad und wünschen ihm eine bessere Wahl fürs neue Zuhause! |
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Vom Umtausch ausgeschlossen Ein junges Paar gab ihre junge Katze im Tierheim ab, weil diese ein Männerproblem hatte. Das war eigentlich kein Wunder, denn nach den Schilderungen der Leute waren diese bereits die zweite Stelle für die kleine Katze, die im ersten Zuhause wohl ziemlich misshandelt worden war. Die Kinder hätten sie ständig am Schwanz gezogen, der Vater der Kinder hätte sie als "Fußball" benutzt… Gesehen hat das keiner, aber gehört von vielerlei Seiten. Der 7 Monate alten, hübschen Daisy nützt das gar nichts. Die sitzt mit traurigen Augen in der Quarantänebox hat auf ihrer Karteikarte stehen, dass sie weder Männer, noch Kinder oder Hunde mag, an Tapeten und Möbel kratzt, sich nicht gerne anfassen lässt, ängstlich und scheu ist. Beste Vermittlungschancen, oder? Das Foto jedenfalls entstand kurz nach Daisys Einzug hier und mit dem richtigen Leckerchen in der Hand verhält die süße Kleine sich durchaus freundlich. Wahrscheinlich ist sie einfach nur froh, von daheim weg zu sein. Die jungen Leute jedenfalls hielten sich noch recht lange im Katzenhaus auf und beabsichtigten doch tatsächlich im Tausch mit Daisy eine andere, männerfreundliche Katze mitzunehmen. Irgendwie konnten sie gar nicht verstehen, dass wir da etwas gegen hatten. |
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Gefährlicher Einsatz: An einem Tag kamen mehrere Anrufe mit dem Hinweis auf eine Katze, die sich auf dem Grünstreifen eines Autobahnzubringers befand und dort offensichtlich in größter Gefahr war, überfahren zu werden. Mehrere Versuche, das Tier einzufangen, schlugen fehl, aber letztendlich gelang es unserer erfahrenen Außendienstmitarbeiterin, das völlig verstörte Tier sicher und unverletzt ins Tierheim zu bringen. Unsere Hoffnung, dass jemand die hübsche Katze vermisst, hat sich - wie so oft - leider nicht bestätigt, und somit kann man "Imke" nur wünschen, bald ein neues Zuhause mit Freigang zu finden - nach Möglichkeit bitte nicht an einer befahrenen Straße, denn ob man zweimal hintereinander so großes Glück hat, können wir auch nicht garantieren. |




















