Zur Zeit bei uns

32 Hunde

95 Katzen

180 Kleintiere

2 Schweine










home > Rund ums TierheimKurznachrichten2004Dezember

Kurznachrichten Dezember 2004



Der Fenstersturz-Kater: Wegen Unsauberkeit wurde er bei uns abgegeben und als ich seine Vorgeschichte erfuhr, hatte ich dafür auch vollstes Verständnis. Die Rede ist von dem bildhübschen gerade mal 6 Monate alten Rottiger „Paulchen“. Da er seinem Besitzer lästig war, warf dieser ihn einfach aus dem Fenster des 3. Stocks. (Die Geschichte wurde auch über die Presse verbreitet) Glücklicherweise trug er bei dem Sturz keine nennenswerten Verletzungen davon und eine Mitmieterin nahm ihn dann aus Mitleid bei sich auf. Aber ob das Zuhause doch nicht das Richtige war, oder ob der Schock ihm noch zu sehr in den Gliedern saß, Tatsache war, dass „Paulchen“ sehr zum Leidwesen seines neuen Frauchens nicht die Katzentoilette benutzen mochte, weshalb er schließlich bei uns im TH landete. Und da war er nun, ein ganz, ganz lieber total verschmuster kleiner Kerl, der trotz aller schlechten Erfahrungen, die er bisher in seinem jungen Leben machen musste, weiterhin freundlich auf uns Zweibeiner zugeht mit der ungebrochenen Bereitschaft, vertrauen zu wollen und uns als seine Freunde zu betrachten. Wunderbarerweise ist er bei uns auch sauber, ein Zeichen, dass er sich wohl fühlt, und wir freiten uns mit ihm, als er schon bald in ein tolles neues Zuhause einziehen konnte, wo er nun bleiben und all die schlimmen Eindrücke der Vergangenheit vergessen kann.


3. Advent, nachmittags halb drei. Der Sonntagsdienst ist beendet, Feierabend für heute! Die TH-Leiterin will eben nach Hause, da klingelt das Telefon. Eine Dame ist am Apparat, sie hat gerade im Gras einen kleinen nach Futter suchenden Igel gefunden, Gewicht: gerade mal 300 gr. Das ist natürlich zu wenig für den Winterschlaf und so verspricht die freundliche Finderin, sich sofort ins Auto zu setzen und das Kerlchen zu bringen. Nach 20 Minuten steht sie vorm Tor und der kleine stachelige Gast wird in eine inzwischen vorbereitete, mit Katzenfutter, Apfelstückchen und Wasser ausgestattete Box gesetzt. Der Jungigel bewegt das Näschen schnuppernd hin und her und kann kaum glauben, was er da riecht :Leckeres Futter, direkt vor ihm! Augenblicklich macht er sich darüber her und Finderin und TH-Leiterin freuen sich gemeinsam an seinem lauten Schmatzen, mit dem er anzeigt, wie gut es ihm schmeckt. Am nächsten Morgen ist der Napf leer, die Apfelschnitze sind weggefuttert und inzwischen ist auch eine Pflegestelle organisiert, wo „Mecki 3. Advent“ den Winter verbringen kann. Das war wirklich Rettung in letzter Minute, Glück gehabt, kleiner Igel!

 

Ein „echter Notfall“: Am 1. Weihnachtstag klingelt abends um halb zehn beim Notdienst das Telefon: Die Polizei! Ein junges Paar will, dass sofort die eigene!!! Katze abgeholt wird, da das Tier- es handelt sich um einen knapp einjährigen Kater – angeblich das Baby der Familie in seinem Bettchen angreift. Auf die Frage, warum man die Katze denn nicht in einem anderen Zimmer unterbringe, kommt die Antwort: nicht möglich, es gibt in der ganzen Wohnung keinen Schlüssel, ebenso wenig einen Kasten Sprudel oder ähnliches, das man vor die Tür schieben könnte. Nun tun wir zwar wirklich alles nur menschenmögliche bei verletzten oder hilflosen Tieren sowie bei Findlingen, aber dies geht eindeutig zu weit! Wir bieten den Katzenbesitzern an, den „schlimmen“ Kater am zweiten Weihnachtstag außerhalb der Öffnungszeiten abzugeben, aber selbst darüber muss diskutiert werden, da man doch erwartet, dass wir das Tier holen. Am Ende sieht der Tierbesitzer aber doch eine Möglichkeit zu kommen, und steht dann am 2. Weihnachtstag statt mit einer Katze gleich mit dreien vor der Tür. Komisch, sind die anderen denn auch aggressiv? Nein, aber eine legt sich immer auf die Beine des Kindes und der dritte ist ein sehr verschmuster Kater; aber nun geht halt alles in einem Aufwasch! Alle sind natürlich nicht kastriert, geimpft oder entwurmt, laut Besitzer sei das für kommende Woche geplant gewesen. Auf die Frage, ob es denn bei den unkastrierten Tieren keinen Nachwuchs gegeben habe, folgt die empörte Antwort: Aber das sind doch Wurfgeschwister! Und das junge Paar meint das todernst. Trotzdem bleibt die Frage offen, wieso dann das Mädchen 7 Monate, die Kater aber 1 Jahr alt sein sollen? Das können die Besitzer auch nicht erklären, sie bleiben aber dabei, dass die Angaben stimmen. Ach ja, es gibt schon unerklärliche Dinge auf dieser Erde, dazu gehört auch die Tatsache, dass weder er noch sie auch nur einen Cent einstecken haben, um die ohnehin schon niedrige Abgabegebühr zu entrichten. Wir wollen Geld? Schließlich bekommen wir doch schon die Katzen! Dass uns hohe Tierarztkosten entstehen, von der Verweildauer und Pflege ganz abgesehen, leuchtet den Beiden zwar ein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man „vergaß“, Geld einzustecken. Im Interesse der Tiere nehmen wir die Katzen zwar dennoch auf, wissen aber am Ende wirklich nicht, ob wir nun lachen oder weinen sollen!


Eiko: Am 23. Dezember klingelt morgens um 9 im TH das Telefon, ein Beamter des Ordnungsamtes möchte einen Termin zur Wegnahme eines Rottweilerrüden abstimmen. Der Hundebesitzer ist ohne festen Wohnsitz, das Tier wird wie ein Wanderpokal ständig hin und her gereicht und manchmal ist nicht mal Geld für Futter übrig, wie mehrere Informanten melden. Trotz häufiger Mahnungen der Behörde sind verschiedene Auflagen nicht erfüllt, so dass ein weiterer Verbleib beim Besitzer nicht möglich ist. Zur vorgegebenen Zeit fahren zwei Leute vom Personal zu dem bezeichneten Ort, wo sich der Hund befinden soll. Eine Dame öffnet die Wohnungstür und schaut sehr verwundert drein, als sie sich Polizei sowie Beamten der Ordnungsbehörde gegenüber sieht. Aber- Fehlanzeige, der Rotti ist nicht mehr da, wurde zuvor vom Besitzer abgeholt. Dieser hält sich wohl momentan in der Wohnung eines Bekannten nicht wie entfernt auf , also Ortswechsel, nächste Adresse anfahren!

 

Trotz fast mittäglicher Stunde- es ist inzwischen nach 11 Uhr – muß der Wohnungsinhaber aus dem Bett geklingelt werden und tatsächlich treffen wir dort zwar nicht den Hund, wohl aber dessen Besitzer, der ebenfalls aus dem Tiefschlaf geholt wird. Der Rottweiler befindet sich angeblich bei anderen Bekannten, eine Straße weiter. Erneuter Ortswechsel, aber auch hier gibt es weit und breit keinen Hund. Der Polizeibeamte erweist sich jedoch als große Hilfe und erreicht, dass wir nun erfahren, wo sich das Tier tatsächlich befindet, nämlich hinter dem Haus, in dem der Hundehalter momentan lebt. Und da finden wir ihn denn tatsächlich: einen vor Kälte zitternden, quatschnassen Rottweiler, der laut Aussage der Nachbarn seit 8 Uhr morgens mit einer Leine an einen Wäschepfahl angebunden im eisigen Schneeregen hockt. Er duckt sich angstvoll noch tiefer, als er seinen Besitzer auf sich zukommen sieht. Die Tierschützer machen ihrer Empörung Luft und der Hundehalter muss sich sagen lassen, wie toll man es findet, dass er im warmen Bett liegt, während das hilflose Tier der Kälte und Nässe ausgesetzt ist. Er beteuert zwar, seinen Hund zu lieben und an ihm zu hängen und ist total erstaunt, als der große Rüde mit den Tierschützern mitgeht und ins Auto steigt, ohne sich auch nur einmal nach ihm umzudrehen. (In der Jackentasche war Fleischwurst, aber das wird nicht verraten!) Seine Hundeleine will der nette Mensch aber sofort haben, denn die hat ja schließlich Geld gekostet. Und so fahren die Mitarbeiter mit dem Rottweiler ins TH und versprechen ihm unterwegs, dass von jetzt an alles besser wird und er nun auch die schönen Seiten des Lebens genießen soll, denn die kennen zu lernen ist ihm bisher versagt geblieben.

  

4 graue Schnauzen (plus 3 macht 7 ):

Dezember- der Monat der „Grauen Schnauzen“, wie wir unsere „Oldies“ liebevoll nennen. Als Erste kam „Sina“, die adipöse 12jährige schwarze Labradorhündin zu uns ins TH, weil Herrchen verstorben war und Frauchen keine Möglichkeit sah, die alte Hündin weiter zu versorgen. Danach wurde „Nina“, eine ca. 10jährige Schäferhunddame an einer Bushaltestelle angebunden aufgefunden, gerade rechtzeitig „entsorgt“, damit der Besitzer in Ruhe Weihnachten feiern konnte. Ihre Krallen waren so überlang gewachsen, dass sie kaum noch laufen konnte, ein Zeichen dafür, wie gut man sich um sie gekümmert hatte. Zwei Wegnahmen durch die Kreisveterinärin folgten: Der knapp 15jährige braun-weiße Mixrüde „Rex“ wurde aus einem stinkenden Bretterverschlag voller Kothaufen und fast ohne Tageslicht befreit. Uns kamen fast die Tränen, als wir den armen Kerl sahen: mit seinen trüben Augen, seinem total verdreckten und verfilzten Fell sowie einem mandarinengroßen, blutenden Tumor am After (inzwischen operiert) war er ein Bild des Jammers.

 

„Susi“, die ca. 12jährige Schäferhündin kam aus fast identischen Verhältnissen, noch unbegreiflicher, da ihr ehemaliger Besitzer von Beruf Tierpfleger ist. So leben sie nun bei uns, alle alt und schwer vermittelbar, aber bis auf „Sina“, die bei ihrem verstorbenen Herrchen eine kleine Prinzessin war, genießen unsere Rentner seit wahrscheinlich sehr langer Zeit wieder Wärme und Geborgenheit, Streicheleinheiten sowie regelmäßige Mahlzeiten und mehrmals täglich Auslauf in den großen Freiläufen. Mit unseren dreien schon im TH lebenden Oldies „Nikita“, 9 Jahre, „Sammy“, 11 Jahre und „Leila“, 11 Jahre haben wir nun insgesamt 7 liebe , alte, graue Schnauzen bei uns und hoffen mit ihnen, dass sich für alle bald liebe Hundfreunde finden, die bereit sind, gerade diesen Tieren noch eine schöne Zeit zu schenken, denn gerade sie lohnen unsere Zuneigung durch rührende Anhänglichkeit.



„Cheery“, jetzt grinst sie wieder: Ihre Vorgeschichte war denkbar schlecht und sie zeigte sich anfangs äußerst ängstlich und zurückhaltend. Doch wenn man aus der Tötungsstation aus der Türkei kommt, ist dies Verhalten sicher erklärlich. Ganz langsam überwand die braune Hündin ihre Scheu, wagte es, Leckerchen aus der Hand anzunehmen und begann, zaghaft zu wedeln, wenn sich inzwischen vertraute Personen näherten. Und eines Tages überraschte sie uns alle, als sie uns plötzlich anlächelte. Das ganze Hundegesicht verzog sich zu einem breiten, fröhlichen Grinsen, was ihr den Spitznamen „Cheery Grinsebär“ eintrug. Da sie nun nicht mehr alle Menschen als Feinde betrachtete und Vertrauen zeigte, konnte man langsam an eine Vermittlung denken und tatsächlich gab es auch bald ein nettes Ehepaar, das „Cheery“ ein Zuhause geben wollte.

 

Verschiedene gemeinsame Spaziergänge klappten recht gut, und so freuten wir uns mit, als die Leute sich endgültig für unser Türkenmädel entschieden. Erste Telefonate klangen positiv und vielversprechend. „Ja, sie macht sich sehr gut, freut sich, wenn sie gestreichelt wird, läuft in der Wohnung hinter uns her und ist auch stubenrein, wir glauben dass sie genau der richtige Hund für uns ist!“ Nach knapp zwei Wochen geschah dann das Unerklärliche: Herrchen kam heim, legte „Cheery“ wie gewohnt Halsband und Geschirr an und wollte zum gemeinsamen Spaziergang aufbrechen. Vor der Haustüre muss die Hündin sich vor irgendetwas zu Tode erschrocken haben. Sie streifte in Panik das Halsband ab und versuchte, sich aus dem Geschirr herauszuwinden. Herrchen wollte sie festhalten, da biss sie in Todesangst zu –ein für uns völlig unerklärliches Verhalten- und rannte völlig kopflos davon. Trotz einer sofort eingeleiteten Suchaktion blieb „Cheery“ wie vom Erdboden verschluckt. Nach 5 Tagen erhielten wir einen Anruf vom TH Olpe- ganz herzlichen Dank, liebe Olper Kolleginnen, für eure Hilfe –dass die Hündin eingefangen sei, aber offensichtlich verletzt, sie liefe auf drei Beinen. Sie wurde sofort in die Tierarztpraxis gebracht, wo ein Bruch des Oberschenkels sowie Lungenquetschungen diagnostiziert wurden, außerdem hatte sie überfall Schürfwunden, offensichtlich ein Autounfall! Das Tier war absolut am Ende, - kein Wunder, ein Unfall und 5 Tage ohne Futter sind wirklich heftig. – und musste erst aufgepäppelt und medikamentös versorgt werden, bevor an eine O.P. zu denken war. “Cheery“ zeigte sehr deutlich ihre Freude, wieder da zu sein, wedelte jeden freundlich an, der einen Krankenbesuch bei ihr machte und plötzlich, wir konnten es kaum glauben, verzog sich trotz ihrer Schmerzen das Hundegesicht zu dem gewohnten fröhlichen Grinsen, es war für uns beinahe wie ein Geschenk. Die Leute wollten die Hündin nach diesem Vorfall nicht zurück haben, und so sitzt sie wieder bei uns. Wir freuen uns mit „Cheery“, dass die O.P. gut gelungen ist und die Hündin das verletzte Bein schon wieder vorsichtig belastet. Und wenn wir an ihrer Box vorbeigehen, grinst sie uns jedes Mal fröhlich an!

 

                                  



TIERHEIM SIEGEN - HEIDENBERGSTRASSE 91 - 57072 SIEGEN - FON: 02 71 - 31 37 70 - EMAIL: INFO@TIERHEIM-SIEGEN.DE

Impressum  Seitenanfang  Drucken