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Kurznachrichten Oktober 2006




Glück im Unglück

Sie lag unter einer Autobahnbrücke und war fast am Ende und ein qualvolles Sterben wäre ihr sicher gewesen, wenn nicht zufällig zwei junge Leute dort entlang gekommen, sie im Gras gefunden und sich ihrer erbarmt hätten. „Mausi“, die hübsche schwarze Katzendame, kam nach Rücksprache mit unserem Bereitschaftsdienst gerade noch rechtzeitig mitten in der Nacht in eine tierärztliche Behandlung und konnte notversorgt werden. Wahrscheinlich wurde sie von einem Auto angefahren, denn wie schwer ihre Verletzungen tatsächlich waren, stellte sich erst am nächsten Tag heraus.

 

Das Sprunggelenk des einen Hinterbeines war mehrfach gebrochen und aus einer klaffenden Wunde floss nur so der Eiter heraus. Laut Tierarzt musste hier mit Schrauben gearbeitet werden und da dies in keiner unserer Vertragspraxen möglich war, fuhren wir mit „Mausi“ zur Uniklinik nach Gießen. Dort stellte man die Diagnose, dass nicht nur das Sprunggelenk mehrfach gebrochen, sondern der gesamte Knochenbereich völlig vereitert war. Nach eingehender Beratung schlugen die Ärzte als Amputation des Hinterbeines vor. Keine einfache Entscheidung, aber es gab leider keine Alternative. Nach einer Woche konnten wir die kleine Katze dann zurückholen, da die weitere Pflege nun auch bei uns im Tierheim möglich war.

 

Das etwa 8 Jahre alte Kätzchen ist inzwischen zum Liebling der Pfleger avanciert. „Mausi“ liegt schnurrend in ihrem Körbchen, offensichtlich von großen Schmerzen befreit und wird bald lernen, sich auf den verbliebenen 3 Beinen genauso sicher und geschickt fortzubewegen wie zuvor, da sind wir sicher. Wir werden sie zum nächsten Fernsehtermin mitnehmen und hoffen, dass unsere Schmusekatze dann bei ganz netten Katzenfreunden einziehen kann, die die dreibeinige „Mausi“ ganz fest ins Herz schließen, denn das hat sie nach all den durchlittenen Schmerzen doch wirklich verdient!

 

 


Ein Bild des Jammers

Als eines Nachmittags die Polizei anrief und uns um Abholung eines herumstreunenden Hundes bat, glaubten wir an das übliche „Tagesgeschäft“, waren aber nicht gefasst auf den traurigen Anblick eines solch armen Tieres wie er sich uns da bot. In über 10 Jahren Arbeit im Tierheim habe ich noch niemals einen derart vernachlässigten Hund gesehen. Der kleine schwarze, uralte Pudel, der da zitternd vor uns stand war derart verfilzt, dass er fast nicht mehr in der Lage war zu laufen. In dicken Platten hing der Filz von seinem Körper herunter, ob sich irgendwo am Kopf Ohren befanden, konnte man nur raten, die Augen und Füße waren komplett zugewuchert und das Hinterteil war derart verklebt von kotverschmiertem Fell, dass das arme Tier sich nicht mehr normal lösen konnte. Es stellte sich dann sehr schnell heraus, dass wegen diesem Hund schon zahlreiche Meldungen von Nachbarn und Tierfreunden vorlagen, die wir alle längst an das Kreisveterinäramt mit der Bitte um Hilfe weitergegeben hatten, da der Besitzer niemand in seine Wohnung ließ.

 

Nachdem wir den gröbsten Filz um das Hinterteil herum weg geschnitten hatten – er ergab einen ganzen gelben Sack voll kotverschmierter Wolle – damit das Tier wenigstens seinen Kot absetzen konnte, wurde es umgehend in die tierärztliche Praxis gebracht, da Augen und Ohren stark entzündet waren und sofort behandelt werden mussten. Die dringend notwendige Zahnbehandlung wurde einige Tage später vorgenommen, weil der kleine Kerl dazu in Narkose gelegt werden musste. Dabei wurde er dann auch von seinem restlichen Filz befreit, was nochmals einen gelben Sack mit Haaren ergab. Seitdem ist unser Pudelchen wie neu, trägt draußen beim Gassi gehen ein wärmendes Mäntelchen und läuft geradezu strahlend durch die Gegend. Gegen den Besitzer, der seine Fürsorgepflicht dem Hund gegenüber aufs Gröbste vernachlässigt hat, werden wir Anzeige erstatten und hoffen, dass dieser nie wieder einen Hund halten darf. Und für das alte Pudelchen, das wir „Theo“ tauften, wird sich hoffentlich noch ein Plätzchen bei lieben Tierfreunden finden, wo das Kerlchen in Ruhe noch eine schöne Zeit genießen kann.

 


Baron Münchhausen lässt grüßen

 

Anruf einer Dame im Tierheim: Sie habe, angebunden an einer Autobahnraststätte „Autohof Wilnsdorf“ eine kleine Hündin gefunden. Da weit und breit kein Besitzer zu sehen gewesen wäre und auch Fragen in der Raststätte ergebnislos verlaufen seien, habe sie den Hund losgebunden und im PKW mitgenommen, ob wir das Tier aufnehmen könnten? Da wir ja für Findlinge in unserem Gebiet zuständig sind, sagte ich natürlich zu und die freundliche Dame erklärte sich spontan bereit, den Hund am nächsten Tag zu bringen und bedankte sich überschwänglich. Schon da begann bei uns die Alarmglocke zu läuten. Ein Herr, der sehr in Eile war, brachte die Hündin am nächsten Tag vorbei und hatte mit alledem natürlich nichts zu tun und auch sonst keine Ahnung, er war ja schließlich nur der Fahrer, oder?

 

Wir fanden das alles schon seltsam! Hund in Wilnsdorf gefunden, mit nach Hause genommen nach Finnentrop, uns am nächsten Tag gebracht – da konnte was nicht stimmen! Ein Anruf von mir bei den Kollegen im Tierheim Olpe brachte dann auch augenblicklich Klarheit: Als ich den Namen der „Finderin“ nannte, lachte meine Gesprächspartnerin laut heraus, denn diese Familie war ihr bestens bekannt, hatte schon etliche Tiere bei ihnen abgegeben und eine kleine Hündin – vermutlich unseren jetzigen „Findling“ schon vor etwa 6 Monaten bei ihnen loswerden wollen. Voller Zorn griff ich zum Telefonhörer und erreichte auch den Mann der Familie, der zuerst ziemlich laut wurde, dann aber aalglatt meinte: „Ja, wenn Sie sowieso schon alles wissen, kann ichs ihnen ja auch sagen: Der Hund stammt von einem Arbeitskollegen, wurde dort getreten und geschlagen, aus Mitleid haben wir ihn kürzlich aufgenommen, können ihn aber leider nicht behalten“.

 

Über soviel Unverfrorenheit verschlug es mir glatt die Sprache und nachdem ich Namen und Alter, sowie Vorlieben der kleinen Hündin erfragt hatte, beendete ich schnell das Gespräch, hatte ich doch wirklich keine Lust, mir noch weitere Lügengeschichten anzuhören. Tatsache war einfach: „Bonnie“ war unerwünscht und im Weg, man wollte sie nur noch loswerden und sich darüber hinaus die Abgabegebühr sparen.

 

Fazit: So schnell, wie manche Leute lügen, können andere gar nicht denken! Da kann man nur sagen: Baron Münchhausen lässt grüßen!

 

Die kleine „Bonnie“ ist übrigens ein echtes Pralinchen und glücklicherweise schon in ein schönes neues Zuhause vermittelt!

 


Stachelritter brauchen fachkundige Hilfe!

 

Am 10.10. trafen sich etliche Igelfreunde im Tierheim Siegen, um Erfahrungen auszutauschen. Denn im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, beginnt ja für viele der kleinen Stachelträger ein Rennen gegen die Zeit: Die Nahrung wird knapper und bevor der Dauerfrost kommt, gilt es, sich eine Speckschicht zuzulegen, da Igel nur mit ausreichenden Reserven den Winter überstehen können und nicht alle schaffen das ohne menschliche Hilfe. So werden vor Beginn der kalten Jahreszeit schon Plätze zum Überwintern für Mecki und Co. gesucht. Als erstes sollte natürlich versucht werden, den entsprechenden Lebensraum für die nützlichen, Schnecken und Larven verzehrenden Tiere anzubieten. 

 

Naturnahe, artenreiche Gärten ohne Gift, in denen man an geschützten Stellen Laub sowie Äste und Zweige anhäuft, sind als Unterkunft willkommen und mit der Zufütterung von Igeltrockenfutter, Katzenfeuchtfutter, vermischt mit Haferflocken oder ungewürztem Rührei kann man untergewichtigen Igeln doch noch zu Ihrem „Schlafgewicht“ verhelfen. Denn nicht immer ist das Stacheltier in menschlicher Obhut besser dran als in der natürlichen Umgebung, daher sollte man zuerst versuchen, durch Zufütterung die wichtige 500 Gramm-Grenze zu erreichen, ehe man den Igel aus der freien Wildbahn entnimmt. Denn zu Recht verbietet das Naturschutzgesetz gesunde Tiere einzufangen, lediglich verletzte, kranke oder untergewichtige Igel dürfen gepflegt, müssen dann aber wieder ausgewildert werden. Jedoch sollte man untergewichtige Tiere nicht ins Haus nehmen, bevor die Bodentemperatur dauerhaft unter dem Gefrierpunkt liegt. Ein bisschen aufwändig ist es schon, so einem kleinen Kerl im Haus zu pflegen. Am besten bringt man den stacheligen Gast in einem ausbruchsicheren und leicht zu reinigenden Käfig unter, der in einem heizbaren Neben- oder Kellerraum steht. Igel leiden fast immer unter zahlreichen Parasiten und müssen möglichst dagegen behandelt werden. Es ist auf peinlichste Sauberkeit zu achten.

 

Ein Igel kann sich beispielsweise an seinem eigenen, mit dem Kot ausgeschiedenen Parasiten immer wieder neu anstecken. Nur die mindestens 1 Mal täglich ausgeführte gründliche Reinigung der Behausung verhindert weitere Infektionen. Im Käfig sollte als Schlafhaus ein Schuhkarton oder ähnliches mit klein gerissenem Haushalts- oder Zeitungspapier stehen. Das Futter muss eiweiß- und energiereich sein. Katzenfutter aus der Dose, gekochtes Ei und Rinderhackfleisch sind gut geeignet, ebenso Ballaststoffe z. B. in Form von gekochten Karotten sollten verabreicht werden und Quark und Mehlwürmer bringen Abwechslung auf den Speisezettel. Ein Vitamin-Mineralstoff-Präperat sollte das Futter ergänzen. Als Getränk ist ausschließlich Wasser geeignet. Wer aber einmal dem Charme und Zauber der stacheligen Gesellen verfallen ist, wird – wie eben unsere Igelfreunde – immer wieder bereit sein, diese Mühe auf sich zu nehmen und kranken und schwachen Tieren zu helfen und ihnen dadurch das Überleben zu ermöglichen. Denn der Feind Nummer 1 der Igel, das Auto, hat leider zu einer gewaltigen Dezimierung der Igelbestände geführt.

 

Daher ist es inzwischen nötig geworden, um das Leben eines jeden kleinen Stachelträgers zu kämpfen. Leider ist unsere Igelgruppe zahlenmäßig noch nicht sehr stark, aber wir hoffen, dass recht viele Tierfreunde sich ansprechen lassen und bereit sind, einen Platz im Keller zur Verfügung zu stellen und ein wenig Zeit zu investieren, zum Wohle von Mecki und Co.

 

                       



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