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Kurznachrichten Dezember 2006




„Narly“ der Star des Tages

 

Etwas anders als gewohnt gestaltete sich der offene Sonntag im Dezember, denn zusätzlich zu den üblichen Kaffee und Kuchenangeboten war diesmal der Nikolaus höchst persönlich im Tierheim erschienen. Zum Entzücken der Kinder wurde er begleitet von der bildschönen schwarzen Ponystute „Narly“, die alsbald zum Star des Tages avancierte.

 

Gerne nahmen die kleinen Besucher ein Päckchen aus der Hand des heiligen Nikolaus entgegen, waren aber auch geradezu begierig darauf, Streicheleinheiten an das kleine Pferdchen zu verteilen, was dieses sich gerne gefallen ließ. Zwischendurch wurde „Narly“ immer mal wieder in einen Hundefreilauf untergebracht, wo frisches Heu und Wasser für sie bereitstand, damit sie ihren „Auftritt“ nicht als Stress empfand, danach konnte sie dann wieder dem Nikolaus bei seiner Arbeit zur Seite stehen.

 

Allerdings durfte durch die freundliche Ponydame ein Problem entstanden sein: Auf den meisten Wunschzetteln der Kinder wird jetzt an erster Stelle ein Pony stehen und ob alle Eltern davon zu angetan sind, ist fraglich.

 


 

 

Klappe auf – Taube froh!

 

Unseren Tieren ihr Leben so artgemäß wie möglich zu gestalten – das ist die Vorgabe, nach der wir uns im Tierheim richten. Auch unsere Tauben – inzwischen 25 an der Zahl – leben natürlich in einer Voliere und können dort ihre Flügel benutzen, aber wir waren der Meinung, das wäre noch zu verbessern. Nach einigen Fragen bei verschiedenen Fachleuten gestalteten wir die Voliere etwas um und brachten u. a. eine große Klappe an, die geöffnet und verschlossen werden kann.

 

Gespannt warteten wir ab, ob unsere Tauben die Chance nutzen würden und siehe da, die meisten hatten begriffen, dass die große Freiheit winkte und schwangen sich in die Lüfte, kehrten aber nach einigen Runden immer wieder zurück. Die meisten „trauten“ sich inzwischen hinaus, einige Ängstliche werden es sicher noch lernen. Abends kehren dann alle heim und die Klappe kann raubtiersicher verschlossen werden. Und bisher haben wir noch keine Taube verloren – im Gegenteil, es sind zwei „Neue“ dazugekommen!

 

 

 

Entsorgt ohne Herz!

 

Ebenfalls am Tierheimtor „entsorgt“ wurden 2 Kaninchen, die unser Mädel vom Bereitschaftsdienst am geschlossenen Dienstagnachmittag dort fand. Ungeachtet des schlechten Wetters hatte jemand, der das weitere Schicksal seiner Tiere offenbar nicht interessierte, die beiden Mümmelmänner abgestellt. Immerhin gehen dort auch viele Hundebesitzer spazieren, die ihre Hunde frei laufen lassen. Hätte ein Hund den Karton mit dem lebenden Inhalt gefunden, so wäre es möglicherweise das Ende der beiden Langohren gewesen. Wir fragen uns zum wiederholten Mal, welchen Wert das Leben eines Kaninchens für Menschen überhaupt noch hat.

 


 

 

Dreist mal ganz anders!

 

Unglaublich dreist zeigte sich ein Hundebesitzer, der seinen West-Highland-Terrier aussetzte. Während schon etliche Besucher kurz vor 15.00 Uhr darauf warteten, dass das Tierheim seine Pforten öffnete, band eine Person den kleinen weißen Hund unbemerkt direkt unterhalb des Tierheim-Tores an einen Pfahl fest und muss danach blitzschnell verschwunden sein, denn niemand der Wartenden hatte etwas bemerkt. Durch lautes Bellen und Winseln machte das Tier auf sich aufmerksam und die herbeigeeilten Mitarbeiter des Tierheims konnten nur den Kopf schütteln über soviel Frechheit.

 

Der Westi war anfangs völlig durch den Wind und knurrte jeden an, der sich ihm näherte, mit Hilfe von Leberwurst beruhigte er sich aber schnell, schleckte vorsichtig den bereit gehaltenen Leckerbissen, ließ sich dann problemlos ableinen und kam auch bereitwillig mit ins Tierheim, wo ihm sogleich ein warmes Körbchen hergerichtet wurde. Er muss „Bonny“ oder ähnlich heißen, denn auf diesen Namen reagierte er von Anfang an und hob sofort das Köpfchen, wenn man ihn so ansprach.  Wir fragen uns: Wurde der kleine Kerl rechtzeitig vor den Feiertagen entsorgt, damit man „in Ruhe“ Weihnachten feiern kann oder wollte jemand die wenigen Euro Abgabegebühr sparen? Der etwa 8-jährige Bonny – jetzt „Willi“ wartet nun im Tierheim auf Menschen, die ihn in ihr Haus und Herz einlassen und zu ihm stehen – für ein ganzes Hundeleben lang.

 


 

Unser Liebespaar war der Hit!

 

Als am 10. Dezember um 18.15 Uhr die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ über die Bildschirme flimmerte, waren einige unserer Tierheimbewohner mit von der Partie. Die absoluten Stars waren unsere Mohrenkopfpapageien für die über 40 Interessenten bei uns anriefen. Etliche von ihnen boten ein wirklich gutes Zuhause für Jakob und Adele an, aber den absoluten Hit  boten Vogelfreunde, die uns Fotos von ihrer wirklich riesengroßen Innen- und Außenvoliere zumailten. Genau dort ist unser „Liebespaar“ dann auch eingezogen und fühlt sich pudelwohl unter weiteren Artgenossen.

 

„Theo“, der 15-jährige Pulimix, hatte ebenfalls den Sechser im Lotto und hat uns aus seiner Heimat schon mehrmals Grüße gemailt. Er ist längst zum Liebling der Familie avanciert und genießt auf seine alten Tage beste Pflege und Streicheleinheiten, soviel sein Hundeherz begehrt. Auf für unser dreibeiniges Katzenmädchen „Mausi“ war der Fernsehauftritt ein voller Erfolg, sie wohnt jetzt Parterre mit großer Terrasse bei einer regelrechten Katzennärrin und wird heiß und innig geliebt. Leider wars das für dieses Mal – kein Anruf für Jigga, kein Anruf für Assam und auch nicht das Passende für Solino, der zum 4. Mal in der Sendung war, sie müssen halt weiter hoffen und warten, dass es irgendwann auch einmal für sie heißt: glücklich vermittelt!

 


 

Gute Reise liebe Elfi!

 

Leider werden wir im Tierheim auch öfters mit Situationen konfrontiert, die schwerwiegende Entscheidungen von uns fordern, Entscheidungen über Leben oder Tod eines uns anvertrauten Tieres. Es gibt bei uns nur zwei Kriterien, die solch einen Entschluss rechtfertigen: Entweder – bei Hunden – schwerste Aggressionen Menschen gegenüber oder unheilbare Krankheit. Auch im Jahr 2006 gab es einige Male nach vielen Beratungen mit dem Tierarzt keine andere Möglichkeit, als ein Tier ins Regenbogenland hinüber gehen zu lassen, um ihm weitere Schmerzen und Qualen zu ersparen. Stellvertretend für alle anderen sei hier die Geschichte von „Elfi“ erzählt:

 

Mehrfach gingen Anfang des Jahres 2006 telefonische Meldungen im Tierheim ein über eine sehr alte Schäferhündin, die unter extrem schlechten Bedingungen leben musste. Einige Male waren unsere Mitarbeiter vor Ort und versuchten, in Absprache mit dem Besitzer, die Lebensumstände des Tieres zu verbessern – leider ohne Erfolg.

 

„Elfi“ lebte auf einem Grundstück, das mit Gerümpel zugestellt war, in einer Hundehütte ohne Boden, sie musste also auf der nackten Erde schlafen. Laut Aussage der Nachbarn lag sie bei strömendem Regen oder Kälte im Winter oft vor der Haustüre und bat um Einlass und etwas Wärme – vergebens. Eine geöffnete Dose mit Hundefutter bekam sie wohl meistens aus dem Fenster zugeworfen, denn Herrchen war immer die ganze Woche über auf Montage und seit Frauchen nicht mehr lebte, kümmerte sich so gut wie niemand mehr um das alte Tier. Die Nachbarin erbarmte sich ihrer öfter und ließ sie bei extrem niedrigen Temperaturen in ihre Waschküche übernachten. Da alle Gespräche mit dem Besitzer keine Verbesserung für „Elfi“ brachten, schalten wir den Kreisveterinär ein, der verschiedene Auflagen machte, doch auch diese wurden ignoriert. Zum Schluss gelang es schließlich den Hund zu uns ins Tierheim zu bringen.

 

„Elfi“ fühlte sich von der ersten Sekunde an bei uns sichtlich wohl. Es gab eine große Box, die warm und mit Decken versehen war, es gab Freiläufe, in denen man toben und sich im Gras wälzen konnte, es gab „Gassigänger“, die mit ihr spazieren gingen und sie mit Leckerchen und Streicheleinheiten verwöhnten und vor allen Dingen gab es – oh Wunder – regelmäßig gutes Futter. Die Hündin blühte sichtlich auf und beantwortete jedes gute Wort mit Zuneigung und Anhänglichkeit.

 

Alte Tiere strahlen ja oft eine Abgeklärtheit und Sanftheit aus, die einfach rührend ist, so auch „Elfi“. Nie haben wir sie gereizt oder schlecht gelaunt erlebt, obwohl sie deutlich sichtbar an Arthrose in den Hüften litt, altersbedingt und vielleicht auch gefördert durch stundenlanges Liegen in der Nässe und Kälte. Ihre braunen Augen leuchteten uns voller Zuneigung aus dem alten, grauen Gesicht entgegen und sie avancierte schnell zu einem unserer Lieblingshunde.

 

Nach und nach – „Elfi“ war immerhin 13 ½ Jahre – mehrten sich die gesundheitlichen Probleme. Ihre Hinterfüße „schlurften“ beim Gehen vermehrt über den Boden. Das bedeutete also auf Grasboden laufen oder auf Teerboden kleine Hundeschuhe an die Pfoten anziehen, weil sonst die Krallen bluteten. Häufiger litt sie inzwischen an Durchfall oder auch Erbrechen, wobei es dann nach den verordneten Medikamenten sowie der Futterdiät und Schonkost nach einigen Tagen wieder aufwärts ging. Wir ahnten, dass „Elfi“ nicht mehr sehr lange bei uns sein würde, aber solange sie noch soviel Lebensfreude zeigte, sollte sie ihre Zeit genießen. Dann fiel uns auf, dass unsere alte Dame, obwohl sie 3 Mal täglich „Seniorenkost“ bekam, etwas matt wirkte. Sie schlief recht viel und mochte auch nicht mehr länger als 20 – 30 Minuten spazieren gehen. Wir gesellten ihr einen älteren Pudel zu, der mit in ihre Box wohnte und zwischen dem Rentnerpaar wie wir die Beiden liebevoll nannten, entwickelte sich eine echte Tierfreundschaft. Es war einfach nur schön zu sehen, wie sie sich gegenseitig die Schnauzen und die Ohren leckten. Dann wurden „Elfis“ Beschwerden stärker, trotz Diät litt sie fast ständig unter Magen- und Darmproblemen und wurde immer magerer. Als sie anfing, Blut zu erbrechen, wussten wir, dass das Ende gekommen war. Der Tierarzt schüttelte ratlos den Kopf – er konnte nicht mehr helfen. Und leiden sollte „Elfi“ nicht, nicht eine Sekunde, wenn wir es verhindern konnten. So blieb nur die letzte Fahrt mit ihrem vertrauten Pfleger in die Tierarztpraxis, und uns allen standen die Tränen in den Augen, als das Auto mit ihr vom Hof rollte. In den Armen ihres Pflegers ging „Elfie“ dann tief schlafend, ruhig und friedlich ins Regenbogenland hinüber.

 

Geliebtes, altes Mädchen, viel Gutes hast du in deinem Leben nicht von Menschen erfahren, warst zum Schluss einfach nur übrig, lästig und im Weg, hast oft vergebens stumm um ein bisschen Wärme und Liebe gebeten, aber die stummen Bitte wurden nicht gehört. Aber du hast alles klaglos hingenommen, hast dich in alles gefügt und bist zum Ende immer nur sanft und lieb zu Menschen gewesen; Mögest du glücklich sein in einer besseren Welt.

 

 

                 



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